Didaktisch anders: Systeme

Neulich war ich bei einer sehr hochrangig besetzten Videokonferenz anwesend. Nach der aufgehitzten Phase der ersten Corona-Welle und den Folgen für die praktische Schulbildung hängen – trotz einer deutlichen Abkühlung der Situation – noch einige generelle Fragen zur Schulbildung im Raum.
Spontan habe ich eine grundlegende Richtungsidee in den Chat geworfen, von der ich schon länger überzeugt bin: die inhaltliche Strukturform „System“ in das Zentrum aller didaktischen Überlegungen zu stellen.
Die Struktur eines Systems, also die Erkennung seiner Bestandteile und die Formulierung der Binnenabhängigkeiten untereinander ist bereits in allen Fächern Thema, aber nicht unbedingt hervorgehoben.
In Deutsch gibt es z.B. Grammatik, Physik, Mathematik, Politische Weltkunde – alle haben an bestimmten Stellen ein System. Das Ergründen eines Systems lässt sich wunderbar in gemeinsamen Lernsettings umsetzen, und ich behaupte: auch die Medienkompetenzen lassen sich mit einem Systemansatz besser umsetzen.
Was ist die Änderung zum jetzigen didaktischen Denken?
Immer noch stehen in den derzeitigen Lehrplänen Fachaspekte als Lernvorschrift isoliert im Raum. Vieles, wie z.B. Naturkonstanten muss man aber im ersten Schritt wirklich nicht mehr auswendig können – obwohl sie sich sicher auswendig „einpflanzen“, wenn sie in Systemen vorkommen.
Zusammenleben, digitale Umgebungen, der Klimawandel – all dem kann als Mensch nicht begegnet werden, wenn das System dahinter nicht erkannt wird.
Der Kompetenzansatz in Lehrplänen müsste nur besser um den Aspekt „System“ gruppiert werden – nach meiner Ansicht macht dann vieles mehr Sinn, ist durch Aha-Effekte motivierender und entspricht einfach besser einer Zeit, in der Einzelinformation leicht erhältlich sind.
Abschließend möchte ich unbedingt betonen, dass viele andere und in anderer Form diesen didaktischen Vorschlag lange vorher hatten und in persönlicher Arbeit umgesetzt haben.
Im Zuge neuer Diskussionsrunden und neuen Beteiligten ist es ein guter Moment, dies einmal hervorzuheben, da die Lösung relativ leicht ist.