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… Corona Remark

Eigentlich sind wir reihum im Team sprachlos.
Wir wollten uns im Zuge der Didacta mit News melden.
Jetzt heißt es: umdenken und in der Situation beistehen.
Wir wissen, durch das, was wir jetzt seit Jahren in Schulkontext.de tun, einiges darüber, wie digitales Material gefunden werden kann. Daher können wir hier helfen – mal sehen, wer alles mit uns mitmachen möchte. Außerdem haben wir wahrscheinlich didaktische Kapazitäten übrig und sehen viel Nützliches, dies teilen wir ab jetzt in einem neuen Motto:

Cloudbildung

… diese neue Kategorie wird für eine Weile und sehr prominent Teil unseres Schulkontext-Auftritts sein, bevor es vielleicht eines Tages alleine „fliegt“. 

Warum wir lernen

Wieder einmal wird im Zuge der neuen Digitalisierungsrunde in der (Schul-)Bildung viel über das Was, Womit und Wann diskutiert. Leider ist der versammelten Gemeinschaft entgangen, dass es inzwischen um das Warum geht.

Die Rolle der Lehrenden, die Rolle der Schule an sich ist im Bezug auf das Wissen eines Menschen auf den ersten Blick geschrumpft.

Wofür in anderen Zeiten Wissende (Lehrende) ohne Frage eine Anerkennung erhielten, gibt es jetzt den Zugriff für jeden, der nicht zur (immer einfacher werdenden) Websuche zu doof ist. Oder es sieht nur so aus.

Der Effekt ist Derselbe: Junge Menschen, die danach streben, ein Teil der erwachsenen Gesellschaft mit ihren Freiheiten und Möglichkeiten zu sein, sehen eine Vereinfachung ihrer Laufbahn. … und Menschen stehen sehr auf Vereinfachung.

Wer allerdings glaubt, damit wäre der Job jetzt getan: „Digitalisierung reiche nun aus, das Modell Menschen in der Schule hätte ausgedient“, hat einen Schritt zu kurz gedacht: wer ohne Vorwissen auf die Fakten des Webs zugreift, landet im Überall und Nirgends.

Es fehlt die Gewichtung in fachlicher und moralischer Hinsicht. Das ist Erwachsenen manchmal nicht klar. Diejenigen jedoch, die in diesem Moment wirklich noch jung genug sind, wissen aber genau, was gemeint ist – ohne eine Unterscheidung von wichtig und irrelevant ertrinken sie im Meer der leicht zugänglichen Information. In dieser Situation hätten sie ihr Ziel, im Leben mehr Zugriff auf seine Möglichkeiten zu erhalten, nicht erreicht.

Die Antwort auf das Warum wir lernen lautet also: um Wichtiges von Unwichtigem und Richtiges vom Falschem zu unterscheiden.

… und das wird von Lehrenden vermittelt; effizienterweise in der Schule.

Dieser Aspekt der Didaktik und Pädagogik ist nicht neu, er hat jetzt nur mehr Gewicht. Wenn jemand dem  aktuellen Unterricht etwas Gutes tun möchte, muss er in diese Richtung denken. Denn nutzlos ist es, Lernenden einfach nur eine digitale Informationswelt aufzuschließen, um sie dort dann ratlos versinken zu lassen. Sogar die konsequente individuelle Förderung der Lernenden, die in der Praxis sowieso kaum realistisch umsetzbar ist, ist dem gegenüber zweitrangig.

Lehrende benötigen daher eine Unterstützung in dem, was sie als Fachlehrer*innen ohnehin zumeist gelernt haben: didaktische Reduktion der bunten, frei zugänglichen Informationswelt auf die wichtigen, wiederverwendbaren Konzepte. Wenn es hilft: digital.

Natürlich muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass wir hier bei Schulkontext.de genau so etwas herstellen.

Didaktisch anders: Systeme

Neulich war ich bei einer sehr hochrangig besetzten Videokonferenz anwesend. Nach der aufgehitzten Phase der ersten Corona-Welle und den Folgen für die praktische Schulbildung hängen – trotz einer deutlichen Abkühlung der Situation – noch einige generelle Fragen zur Schulbildung im Raum.
Spontan habe ich eine grundlegende Richtungsidee in den Chat geworfen, von der ich schon länger überzeugt bin: die inhaltliche Strukturform „System“ in das Zentrum aller didaktischen Überlegungen zu stellen.
Die Struktur eines Systems, also die Erkennung seiner Bestandteile und die Formulierung der Binnenabhängigkeiten untereinander ist bereits in allen Fächern Thema, aber nicht unbedingt hervorgehoben.
In Deutsch gibt es z.B. Grammatik, Physik, Mathematik, Politische Weltkunde – alle haben an bestimmten Stellen ein System. Das Ergründen eines Systems lässt sich wunderbar in gemeinsamen Lernsettings umsetzen, und ich behaupte: auch die Medienkompetenzen lassen sich mit einem Systemansatz besser umsetzen.
Was ist die Änderung zum jetzigen didaktischen Denken?
Immer noch stehen in den derzeitigen Lehrplänen Fachaspekte als Lernvorschrift isoliert im Raum. Vieles, wie z.B. Naturkonstanten muss man aber im ersten Schritt wirklich nicht mehr auswendig können – obwohl sie sich sicher auswendig „einpflanzen“, wenn sie in Systemen vorkommen.
Zusammenleben, digitale Umgebungen, der Klimawandel – all dem kann als Mensch nicht begegnet werden, wenn das System dahinter nicht erkannt wird.
Der Kompetenzansatz in Lehrplänen müsste nur besser um den Aspekt „System“ gruppiert werden – nach meiner Ansicht macht dann vieles mehr Sinn, ist durch Aha-Effekte motivierender und entspricht einfach besser einer Zeit, in der Einzelinformation leicht erhältlich sind.
Abschließend möchte ich unbedingt betonen, dass viele andere und in anderer Form diesen didaktischen Vorschlag lange vorher hatten und in persönlicher Arbeit umgesetzt haben.
Im Zuge neuer Diskussionsrunden und neuen Beteiligten ist es ein guter Moment, dies einmal hervorzuheben, da die Lösung relativ leicht ist.